Auf dem Lido

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Reisen ist Fremd sein. Der
Weg in eine fremde Stadt in einem
fremden Land ist immer
ein Weg in ein Abenteuer. Wer weiß
schon was ihn erwartet, wie die Menschen
sind. Wir kommen an und sind doch immer
unterwegs.





nach Mitternacht

In der via Scutari auf dem Lido di Venezia ist diese Reise erst einmal zu Ende. In meinen Ohren rauscht noch das Wasser von der Fahrt vom Flughafen hierher. Es war dunkel und nur die mächtigen Holzdalben glitten in unregelmäßigen Abständen an dem Boot vorbei. Ich bin froh, dass der Bootsführer den Weg so gut kennt. Aber jetzt bin ich erst einmal da. Obwohl, ich weiss noch nicht so recht wo.



Das Erwachen am
ersten Morgen. Der Reisende hört
die Geräusche. Riecht
die Düfte. Er fühlt die Luft. Fühlt
sich nah oder fern. Neue
Umgebung atmet den Reisenden.


Morgens

Der Strand vom Lido hat nur wenige Zugänge. Wer das Loch in dem endlosen Zaun gefunden hat, steht an der Adria. Eigentlich hatte ich mir den Strand schöner vorgestellt. Der Sand ist hart und von LKW-Spuren durchfurcht. Aber es rauscht. Während ich hier entlang gehe, begleiten mich die endlosen Reihen der kleinen Strandhäuser. Sie sind schuld, dass man nicht überall an den Strand kann. Ich muss mich beeilen, schließlich will ich Italien nicht nur sehen, sondern auch erleben.





Wenn man doch alle
Sprachen der Welt könnte. Mein
gegenüber versteht mich
nicht. Ich versteh mein
gegenüber nicht. Und
doch: Wir unterhalten uns. Was
wäre wohl anders, wenn
wir alle Sprachen der Welt
könnten?



in Venedig

Auf dem Markusplatz sind sie alle, die Touristen. Und heute bin ich auch da. Nachdem sich das Boot vom Lido rüber nach Venedig geschoben hat, tauche ich in die Menge und die Schönheit dieser Stadt ein.
Eigentlich sind die Touristen ja alle ganz nette Menschen. Sie sehen glücklich aus, diese schöne Stadt sehen zu dürfen. Aber es sieht schon etwas komisch aus. Denn: Sehen sie diese Stadt oder sehen sie etwas anderes? Vom Markusplatz gehe ich durch das Gassengewirr weg. Ohne Plan. Einmal ist es eine Sackgasse, einmal verwinkeln sich die Gänge immer weiter. Kaum einer ist breiter als 1 Meter 50 und schon bald sind die Touristen weit verschwunden.
Hier scheint es noch etwas von dem echten Venedig zu geben. Kaum einer beachtet uns und die Menschen machen ihre kleinen Läden auf. Wer kauft hier? Hier in der engen Gasse. Das Leben ist hier verwinkelt.
Venedig atmet anders. Denkt anders, wer hier lebt? Die Venezianer, die ich sehe, oder die Menschen die mir begegnen und die ich für Venezianer halte, scheinen nur von und mit Touristen zu leben. Aber trotzdem kann man etwas von Venedig, seinem Rhythmus und seiner Geschichte spüren. Kann man verstehen, was man sieht?

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