Durch die Verzögerung
sind wir zu spät dran, entscheiden uns in die Nacht zu fahren.
Eigentlich
auch eine falsche Entscheidung. Wir kennen die genauen Kilometerangaben
nicht, wissen nichts über die Sicherheitslage bei Nacht
entlang der Straße. Aber wir haben ein zweites Mal
Glück und kommen sicher an. Allerdings haben wir uns
entschieden, eine Nacht in der zweitgrößten Stadt
Äthiopiens - Dire Dawa zu verbringen.
Wir kommen spät an, können also nichts
großes mehr unternehmen. Das staatliche Hotel am Ort ist gut,
wobei einige Zimmer von mehr Lebewesen bewohnt werden als den
menschlichen, die sich dort eingebucht haben. Wir besuchen noch den
Markt am nächsten Tag. In einem altem Gemäuer gibt es
alles essbare was man sich denken kann. Besonders spannend immer
wieder:
Die Vielfalt an Gewürzen. Ausgestattet mit bunten Pulvern, die
wir noch nie vorher gesehen haben machen wir uns auf den Weg nach Harar.
Harar ist nicht weit von Dire Dawa. Lange war es das Zentrum des
muslimischen Osten Äthiopiens. Innerhalb der Stadtmauern
durften sich nur Moslems bewegen, Christen mussten draußen
bleiben. Eine Trennung, die man heute noch spürt. Der
christliche Markt ist vor und der muslimische innerhalb der
Stadtmauern. Wir sind etwas enttäuscht von der Stadt.
Niemand, so scheint es uns, will sich um die Stadt kümmern.
Die einst so berühmten weißen Häuser sind
verdreckt.

Nur manchmal lässt sich
die einstige Farbe erahnen. Das Geburtshaus von Haile Selassie ist
ebenso heruntergekommen. Ein Wunderheiler versucht hier allein mit der
Kraft Gottes Kranke zu genesen. Und die Stadt ist dreckig.
Überall stinkt es, viele Gassen sind fließende
Abwasserkanäle. Nur
selten findet man einen Platz, einen kleinen Markt, ein Cafe, an dem es
ruhig und angenehm zugeht.
Eine der wenigen Touristenattraktionen ist das Füttern der
Hyänen. Es gab eine Symbiose zwischen den Tieren und den
Bewohnern der Stadt: Durch für Abwässer bestimmte
Löcher in der Stadtmauer kamen sie rein und fraßen
die Abfälle. Eine natürliche Müllabfuhr. Die
Abwässer und den Müll gibt es heute noch - die
Hyänen werden von den Touristen gefüttert. Die Stadt
ist auch die Hochburg des Tej. Der Handel mit den grünen
Blättern blüht und jeder hat die Backen voll. Von der
Dachterrasse unseres Hotels können wir das Markttreiben
beobachten. Von dort oben sieht es dynamisch und bunt aus. Auf dem
Boden ist es dagegen chaotisch und anstrengend.
Zum Ende der Reise beschließen wir
schließlich etwas auszuspannen. Am Langanosee,
südöstlich von Addis Ababa geht das am besten. Ein
modernes Hotel und ein See, in dem man baden kann, lassen uns
durchatmen und entspannen. Schließlich sind wir wieder in
Addis und auf dem Weg zurück nach Deutschland.
Äthiopien hat sich verändert, seit wir das letzte mal
vor vier Jahren hier waren, aber die Probleme sind geblieben. Wir sind
gespannt, wie es das nächste Mal aussehen wird, was die
politisch Verantwortlichkeit für ihr Land und seine Menschen
tun wird. Wiederkommen werden wir.
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