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Gizachew hat uns gezeigt, wie
sich Addis in der Nacht verändert. Wenn es dunkel ist, beginnt
das Straßenleben. Die armen und heimatlosen kommen aus ihren
Ecken und beleben die Straße, nehmen den
öffentlichen Raum für sich ein. Es ist dann ein ganz
anderes Addis Ababa. In manchen Straßen gibt es in der Mitte
einen Grünstreifen, unter dem große Abwasserrohre
für die Regenzeit liegen. Darin wohnen die Kinder. Sie kennen Gizachew
und seinen Bully. Sie vertrauen ihm und erzählen ihn von ihren
Problemen mit der Polizei. Die Arbeit scheint ein Fass ohne Boden, aber
an ein Aufhören denkt niemand.
Die andere Nacht in Addis flackert bunt an den geschmückten
Plätzen. Addis ist noch rausgeputzt für die Bob
Marley-Feiern, die hier gerade stattgefunden hat. Da war Addis voll mit
Rastas, die in den Spuren ihres Idols gewandelt sind. Addis ist aber
auch sonst eine Stadt des Rhythmus. Die Bar um die Ecke unseres Hotels
ist jede Nacht voll. Äthiopier, die feiern, trinken, zu den
typischen Beats tanzen. So muss das Rastaparadies aussehen.
Nach unseren Konzerten reisen wir in den Osten Äthiopiens.
Unser Ziel ist Harar. Die Straße nach Osten ist neu und gut.
Zwei Tage dauert die Reise. Unser erstes Ziel ist Awash. Die
kleine Stadt liegt an der Bahnstrecke Addis-Ababa - Djibouti. Die
einzige im Land. Der Bahnhof ist auch gleich das Zentrum der Stadt -
aber nur wenn gerade ein Zug kommt. Das ist nachts der Fall. Alles ist
voller Menschen. Händler, Reisende, Ganoven. Der Zug wird von
bewaffneten Soldaten begleitet. Ständig wird geklaut.
Irgendwann setzt sich das Ungetüm keuchend in Bewegung und
damit ist der Spuk erstmal wieder vorbei. Alle gehen nach Hause. Der
kleine Ticketschalter ist wieder geschlossen. Unser Hotel ist quasi der
Bahnhof. Das Buffet d'Awash ist der einzige Ort für
Ausländer. Der Rest der Stadt scheint verloren. Die meisten
Äthiopier stehen unter Einfluss von Tej, einer Alltagsdroge.
Die grünen Tejblätter werden gekaut und in den Backen
gestopft. Bei vielen sieht es so aus, als hätten sie einen
Tischtennisball im Mund.
Um sechs Uhr morgens stehen wir am Tor des Awash Nationalparks. Das
Gerücht, dass man so früh viele Tiere sehen kann
bestätigt sich nicht. Kamele, Nomaden und Affen sind das
Einzige was vor die Augen kommt. Dafür sind wir
kräftig müde denn es ist schon heiß und
drückend.
Schließlich wollen wir heute noch nach Harar. Doch ich
schaffe es, unsere Fahrt zu verzögern. Kurz hinter Awash
führt die Straße parallel zur Eisenbahn
über den Awashfluss. Beide Brücken sind
militärisch streng bewacht, da sie ein strategisch wichtiger
Punkt in der Ost-West Verbindung im Land sind. Leider mache ich den
Anfängerfehler, die Brücke zu filmen. Das
Militär sieht es und setzt uns am Straßenrand fest.
Zunächst entwickelt sich eine hektische Situation zwischen den
Soldaten und unserem Fahrer. Die Soldaten wollen, dass wir aussteigen.
Dann will einer einsteigen und mit uns irgendwohin fahren. Jetzt ist es
aber wichtig in einer öffentlichen Umgebung zu bleiben und zu
warten, bis sich die Situation beruhigt. Stundenlang stehen wir in der
Mittagshitze während unser Fahrer versucht die Soldaten zu
beschwichtigen. Eine Verständigung ist nicht möglich.
Wir sprechen kein Amharisch, unser Fahrer nicht genügend
englisch. Schließlich halte ich ein Auto mit
einer Codan-Antenne an der Motorhaube an - ein Zeichen für
internationale Helfer. Wir haben Glück. Der Fahrer
hält trotz des Versuchs das Auto zur Weiterfahrt zu bewegen.
Der Leiter der lokalen Verkehrsbehörde ist darin. Er
vermittelt und wir fahren mit den Soldaten zu einem
Fotogeschäft zurück nach Awash, wo der
Verkäufer die Soldaten davon überzeugt, dass auf der
Kamera kein Bild der Brücke ist. Selber konnten sie das nicht
beurteilen, da sie nicht wussten, wie die Kamera funktioniert.
Später erfahren wir, dass die Soldaten in zwei Gruppen
zerfallen waren. Die, die uns gehen lassen wollten und die, die Kamera
haben wollten. Nach dem Wert hatten sie unseren Fahrer schon gefragt.
Wir hatten Glück. Wir waren Ausländer und ich war ja
auch noch UN-Mitarbeiter in Afghanistan. Wir haben noch einige
Äthiopier getroffen, die jemanden kennen, der die ein oder
andere Nacht in Militärgewahrsam verbracht hat, nachdem er ein
Foto von der Brücke gemacht hat.
Enttäuscht
von Harar
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