Äthiopien 2005


Wie sehr verändert sich ein armes Land in vier Jahren?
Wo sind die Straßenkinder hin?
Fortschritt?

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Gizachew hat uns gezeigt, wie sich Addis in der Nacht verändert. Wenn es dunkel ist, beginnt das Straßenleben. Die armen und heimatlosen kommen aus ihren Ecken und beleben die Straße, nehmen den öffentlichen Raum für sich ein. Es ist dann ein ganz anderes Addis Ababa. In manchen Straßen gibt es in der Mitte einen Grünstreifen, unter dem große Abwasserrohre für die Regenzeit liegen. Darin wohnen die Kinder. Sie kennen Gizachew und seinen Bully. Sie vertrauen ihm und erzählen ihn von ihren Problemen mit der Polizei. Die Arbeit scheint ein Fass ohne Boden, aber an ein Aufhören denkt niemand.
Die andere Nacht in Addis flackert bunt an den geschmückten Plätzen. Addis ist noch rausgeputzt für die Bob Marley-Feiern, die hier gerade stattgefunden hat. Da war Addis voll mit Rastas, die in den Spuren ihres Idols gewandelt sind. Addis ist aber auch sonst eine Stadt des Rhythmus. Die Bar um die Ecke unseres Hotels ist jede Nacht voll. Äthiopier, die feiern, trinken, zu den typischen Beats tanzen. So muss das Rastaparadies aussehen.
Nach unseren Konzerten reisen wir in den Osten Äthiopiens. Unser Ziel ist Harar. Die Straße nach Osten ist neu und gut. Zwei Tage dauert die Reise. Unser erstes Ziel ist Awash. Die kleine Stadt liegt an der Bahnstrecke Addis-Ababa - Djibouti. Die einzige im Land. Der Bahnhof ist auch gleich das Zentrum der Stadt - aber nur wenn gerade ein Zug kommt. Das ist nachts der Fall. Alles ist voller Menschen. Händler, Reisende, Ganoven. Der Zug wird von bewaffneten Soldaten begleitet. Ständig wird geklaut. Irgendwann setzt sich das Ungetüm keuchend in Bewegung und damit ist der Spuk erstmal wieder vorbei. Alle gehen nach Hause. Der kleine Ticketschalter ist wieder geschlossen. Unser Hotel ist quasi der Bahnhof. Das Buffet d'Awash ist der einzige Ort für Ausländer. Der Rest der Stadt scheint verloren. Die meisten Äthiopier stehen unter Einfluss von Tej, einer Alltagsdroge. Die grünen Tejblätter werden gekaut und in den Backen gestopft. Bei vielen sieht es so aus, als hätten sie einen Tischtennisball im Mund.
Um sechs Uhr morgens stehen wir am Tor des Awash Nationalparks. Das Gerücht, dass man so früh viele Tiere sehen kann bestätigt sich nicht. Kamele, Nomaden und Affen sind das Einzige was vor die Augen kommt. Dafür sind wir kräftig müde denn es ist schon heiß und drückend.
Schließlich wollen wir heute noch nach Harar. Doch ich schaffe es, unsere Fahrt zu verzögern. Kurz hinter Awash führt die Straße parallel zur Eisenbahn über den Awashfluss. Beide Brücken sind militärisch streng bewacht, da sie ein strategisch wichtiger Punkt in der Ost-West Verbindung im Land sind. Leider mache ich den Anfängerfehler, die Brücke zu filmen. Das Militär sieht es und setzt uns am Straßenrand fest. Zunächst entwickelt sich eine hektische Situation zwischen den Soldaten und unserem Fahrer. Die Soldaten wollen, dass wir aussteigen. Dann will einer einsteigen und mit uns irgendwohin fahren. Jetzt ist es aber wichtig in einer öffentlichen Umgebung zu bleiben und zu warten, bis sich die Situation beruhigt. Stundenlang stehen wir in der Mittagshitze während unser Fahrer versucht die Soldaten zu beschwichtigen. Eine Verständigung ist nicht möglich. Wir sprechen kein Amharisch, unser Fahrer nicht genügend englisch. Schließlich halte ich ein Auto mit einer Codan-Antenne an der Motorhaube an - ein Zeichen für internationale Helfer. Wir haben Glück. Der Fahrer hält trotz des Versuchs das Auto zur Weiterfahrt zu bewegen. Der Leiter der lokalen Verkehrsbehörde ist darin. Er vermittelt und wir fahren mit den Soldaten zu einem Fotogeschäft zurück nach Awash, wo der Verkäufer die Soldaten davon überzeugt, dass auf der Kamera kein Bild der Brücke ist. Selber konnten sie das nicht beurteilen, da sie nicht wussten, wie die Kamera funktioniert. Später erfahren wir, dass die Soldaten in zwei Gruppen zerfallen waren. Die, die uns gehen lassen wollten und die, die Kamera haben wollten. Nach dem Wert hatten sie unseren Fahrer schon gefragt. Wir hatten Glück. Wir waren Ausländer und ich war ja auch noch UN-Mitarbeiter in Afghanistan. Wir haben noch einige Äthiopier getroffen, die jemanden kennen, der die ein oder andere Nacht in Militärgewahrsam verbracht hat, nachdem er ein Foto von der Brücke gemacht hat.

Enttäuscht von Harar

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