Der Flughafen von Addis Ababa ist
neu. Hell, klar, Stahl, sauber. Kein Durcheinander mehr. Keine
Unkontrolliertheit. Kein Chaos. In ordentlichen Schlangen warte ich auf
mein Visum, auf meinen Koffer und darauf,
dass der nochmal durchleuchtet wird. Fast direkt neben dem Flughafen
fängt die neue Stadtautobahn an. Eine vierspurige
Hochstraße, die fast komplett um Addis herumführt.
Sie ist das Prestigeprojekt des Landes. Zumindest bekommt man den
Eindruck, wenn man äthiopisches Fernsehen guckt. Da laufen
immer wieder Musikvideos von Sängern, die auf oder an der
Stadtautobahn stehen. Es ist kaum Verkehr aber klar, dass das hier das
Symbol für den Fortschritt im Land sein soll, symbolisieren
soll, was die Regierung für die Menschen tut und das
Äthiopien alles hat was es braucht. Das wird aber mehr
für die Außenwirkung gut sein, denn innen
weiß eh jeder, wie es um das Land steht.
In der Stadt ist es merkwürdig sauber. Kaum Bettler, kaum
Straßenkinder, kaum Verschläge der armen Leute am
Straßenrand. Addis ist aufgeräumt worden. Kommandos
haben die Bettler von den großen Straßen
vertrieben, in den Seitenstraßen drängen sich jetzt
ihre armseligen Behausungen aneinander. Denn
in Wirklichkeit hat sich nichts verändert. Rein kosmetische
Maßnahmen, die am wirklichen Problem nichts geändert
haben. Aber Addis ist immer noch Addis. Die Stadt der Hügel.
Es ist sonnig, überall blau-weiße Taxis. Mit letzter
Kraft kämpfen sich Taxis und Busse die teilweise starken
Steigungen hoch, oft verschwinden sie dabei in ihren eigenen
Abgaswolken. Die Straßen haben jetzt auch Namen. Die meisten
sind nach afrikanischen Staaten benannt worden. Ich empfinde Addis als
ungewöhnlich grün und ruhig. Eine Oase nach meiner
Zeit in Kabul, wo ich gerade herkomme und wo Beton und Kalaschnikows
meinen Alltag bestimmt haben.
Aus den oft verfallenen Wohngebieten stechen immer wieder verglaste,
moderne Hochhäuser hervor. Addis hat eine
ungewöhnlich hohe Bauaktivität erlebt.
Überall sind neue Bürohäuser und
Einkaufszentren entstanden. Die Mall an der Boleroad unterscheidet sich
nicht wirklich von denen, die wir aus Deutschland kennen. Auch das
afrikanische Durcheinander fehlt. Zwischen Springbrunnen und Marmor
kann man alles kaufen, was man will. Schmuck, Kleidung, Technik.
Wir sind in Addis, um mit unserem Partner Hope for Children Geld
für Straßenkinder zu sammeln. Wir, dass sind die
Gründer von Würde
für Kinder e.V., einem Verein, der Projekten in armen
Ländern helfen will, Kinder zu fördern und ihnen eine
gerechte und würdevolle Zukunft zu ermöglichen. Vier
Cellisten sind bei uns, um Konzerte im Hilton Hotel und in der
deutschen Kirche zu geben. Gizachew, seine Frau Hawi und Yonas sind
faszinierende und hingebungsvolle Menschen, die alles tun, um in ihrem
Land etwas zu verändern. Sie wollen denen, die scheinbar keine
Chance haben, eine Chance geben. Sie holen Kinder von der
Straße, befreien sie aus der Zwangsarbeit, reintegrieren sie
in ihre Familien oder verhindern, dass sie in die Armut fallen. Hier
soll aber mehr über die Reise, als über das Projekt
stehen. Den vollen Bericht zur Konzertreise und über die
Arbeit unserer Partner finden Sie auf der Seite von Würde
für Kinder e.V.
Ein
falsches Foto
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