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In Arba Minch haben wir diesmal
einiges anders gemacht. Wir haben das "Ferenchi-Hotel" gemieden und
sind einem Tipp unserer Begleiter gefolgt. Diesmal hatten wir ein sehr
schönes und ruhiges Hotel mit netten Inhabern. Und wir konnten
Arba Minch erkunden. Die Stimmung ist gereizt und es fällt
schwer die Leute einzuschätzen. Zum Weihnachtsfest wird vor
allem gerne getrunken. Aber auch hier wird man allerorts angebettelt.
Es fällt sehr schwer einzuschätzen, ob die Menschen
wirklich bedürftig sind. Die Hände zu
öffnen, ist einfach. Armut und Zugang zu Lebensmittel stehen
im Kontrast. Auf den Märkten kann man Produkte aus dem World
Food Program kaufen und in der letzten Ecke des Landes gibt es
Coca-Cola und Pepsi.
Unsere Begleiter haben einen 14-jährigen Jungen aufgegabelt,
der vor zehn Tagen eine schwere offene Verletzung auf seinem
Arbeitsplatz der Straßenbaustelle erlitten hat. Er ist mit
der Wunde am Schienbein nicht zum Arzt gegangen, weil er kein Geld
hatte. Er konnte kaum noch gehen. Wir sind mit ihm ins
überfüllte Krankenhaus gefahren und nur weil wir
dabei waren hat es nur fünf Minuten gedauert, bis er die
einzige Ärztin treffen konnte. Sieben Tage lang bekam er
täglich eine Spritze. Gesamtkosten: 23 Birr - nicht mal 3 Euro.
Traurig bleibt, dass er wohl wieder arbeiten muß, wenn er
gesund ist.
Mit einem Abstecher über Chencha sind wir nach Hosaina
weitergefahren. In Chencha leben die Dorze. Sie waren einmal Krieger,
sind heute aber seßhafte Feldbauern. Bekannt sind ihre Stoffe
- und die transportierbaren Hütten. In der Gegend um Chencha
kann man noch einmal in die Bergwelt Äthiopiens eintauchen.
Wenn wir auf dem Weg anhalten, haben wir immer wieder sehr nette und
bewundernswerte Menschen getroffen. Verwundert und interessiert kommen
sie zu uns. In solchen Momenten kann man viel voneinander lernen. Das
wir eigentlich gleich sind, nur unter verschiedenen Bedingungen leben.
Als wir wieder nach Addis kommen, werden wir schnell
ernüchtert. In die Stadt reinzufahren, Müll und Elend
wieder zu erleben war schockierend. Besonders nach der Ruhe und guten
Luft der ländlichen Regionen.
Zu guter Letzt
Was haben wir in diesem Land gelernt? Natürlich gibt es viele
Unterschiede im Standard und alltäglichen Leben. Die Bildung
ist in vielem sehr schlecht. Sowohl hygienische Verantwortung, als auch
pures Wissen oder logisches Denken fehlen. Aber irgendwie
findet man seinen Weg, denn die Menschen sind sehr hilfsbereit.
Wir haben viel gelernt über das was wir ein "Entwicklungsland"
nennen. Vor allem besitzt dieses Land Vielfalt. Hunger und Krieg sind
nur Ausschnitte der äthiopischen Wirklichkeit. Und die
Menschen hier besitzen manchmal mehr Kraft und Fähigkeit zum
Überleben als wir selbst. Was ist schon ein
europäisches Problem gegen ein äthiopisches? Wir sind
glücklich und froh, in Äthiopien gewesen zu sein. Wir
können Afrika jetzt etwas besser verstehen und uns etwas
vorstellen, wie es wirklich ist. Wir konnten uns dem Land
nähern, ohne Stereotypen über Krieg und Not im Kopf
zu haben. Wir konnten etwas erfahren, was Alltag in diesem Land ist.
Denn letztlich haben wir einfach nur Menschen kennengelernt.
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