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Wir wollten in den Mago
Nationalpark fahren. Im Mago liegt das untere Tal des Omo-Flusses. Hier
leben viele Volksgruppen. Die Region ist bei Ethnologen sehr
populär. Berühmt sind die Mursi mit ihren
großen Unterlippentellern. Aber alleine die Anfahrt in den
Park dauert 9 Stunden. Nichts für einen Tagestrip. Und die
Unterkunft ist auch unklar. Daher sind wir noch einen Tag in Jinka
geblieben. Dort hat ein deutscher Professor das South Omo Research
Centre gebaut. Ein Treffpunkt für viele Wissenschaftler mit
Schwerpunkt auf dem Omo-Tal.
Es ist ein sonderbarer Tourismus in Afrika. Immer wieder treffen wir
Europäer, die "zu Fuß" unterwegs sind. Mit
öffentlichen Transportmitteln zu reisen kann mitunter sehr
beschwerlich sein. Zumindest in Äthiopien. Busse gibt es nur
spärlich und im schlechten Zustand. Transporte finden oft auf
LKW´s oder PickUps statt. Mehrere Stunden müssen die
Reisenden stehen.
Auch im Süden treffen wir immer wieder sehr nette und
freundliche Menschen. In Jinka und Turmi haben wir aber auch gelernt,
dass wir näher an den Menschen sein wollen und wie dies
möglich ist. Bisher haben wir immer noch eine gewisse Distanz
gehabt. Teils aus Unsicherheit, teils wegen unserer Art zu reisen. Eine
andere Erfahrungen im Süden hat uns verwundert. Die Menschen
haben die Angewohnheit einen Birr zu verlangen, wenn ein Tourist ein
Foto machen will - egal wie abgelegen man sie trifft. Etwas befremdlich
war das schon.
Am äthiopischen Weihnachtsfest sind wir dann über Kay
Affar, Turmi, Woito und Sodo bis nach Arba Minch gefahren. Eine
staubige und spannende Reise. Auf uns macht diese Gegend einen Eindruck
des "Nirgendwo". Dennoch begegnen wir immer wieder Menschen. Es gibt
hier Feldbauern und Hirten mit ihren Kühen. Ein Besuch ist
für sie eine willkommene Abwechslung. Turmi ist ein kleines
Dorf in der Nähe der kenianischen Grenze. Eine
Straße an deren Ende eine Polizeistation steht. Davor sitzt
ein Polizist, der die Geschehnisse im Blick hat. Mit ihm
mußten wir erstmal eine viertel Stunde diskutieren, ob wir
dableiben dürfen. Es folgte ein Rundgang durch das Dorf. Viele
neue Bekanntschaften. Ein Gespräch mit dem Lehrer und seinen
Schülern. In Turmi leben die Hamar. Sie haben ihre Traditionen
bewahrt und fallen daher durch ihre Schönheit inSchmuck und
Haltung auf.
Im Grabenbruch fahren wir durch ausgetrocknete Flussbetten und Seen. In
der Regenzeit ist die Straße nicht passierbar. Auf dem Weg
halten wir in Gisma. Hier finden wir ein Schild der
äthiopischen evangelischen Kirche. Im Nirgendwo
hat ein dänischer Missionar Schule, Krankenstation und
Gemeinde aufgebaut. Unser Fahrer verlässt nur widerwillig die
Straße und fährt in die Steppe. Auch für
ihn und unseren Begleiter ist die Reise tief in den Süden ein
Abenteuer. Auf dem Gelände werden wir freundlich
begrüßt. Zu Weihnachten sind alle zum Essen eingeladen.
Es gibt Bohnen und Kaffee. Kaffee wird auch als "Grünes Gold"
Äthiopiens bezeichnet. Hier im Süden wird er
gesalzen. Vor der Krankenstation liegen einige Kranke. Sie weigern sich
im Haus zu liegen, denn dort sind Menschen schon gestorben. Die
dänische Krankenschwester zeigt uns ihre Arbeitsstelle und
erzählt uns von den Kranken. Wenigstens etwas Material
können wir ihr schenken.
Von einem Hamar kaufen wir eine Headrest. Diese Kopfstützen
dienen als Kopfkissen und sind immer dabei. Er will einen Birr und ein
Päckchen - im Süden sehr beliebte - Rasierklingen.
Kaum hat er diese teilt er sie bereitwillig mit den anderen. Gemeinsinn
im Grabenbruch.
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