Äthiopien


Unsere Reise hat uns von der Hauptstadt Addis Ababa bis tief in den Süden geführt.
Wir haben Menschen und ihr Schicksal kennengelernt.
Wir haben Kultur und Tradition erlebt. Wir haben äthiopische Vielfalt entdeckt.

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Auf dem Weg in den Süden

Ein erstes Vorurteil wird nach meinen ersten Mahlzeiten beseitigt. Die Restaurants sind sehr gut. Das traditionelle Essen und Nationalgericht ist Injera. Ein flacher Fladen aus der Getreidesorte Tef. Er wird als Grundlage verwendet, um die unterschiedlichen Gerichte aus Gemüse und Fleisch mit den Fingern zu essen. Zum Ende kommt der Mittelpunkt der gemeinsamen Mahlzeit: die Kaffeezeremonie. Das Zubereiten des Kaffees auf Kohlen und mit Weihrauch.

Addis Ababa liegt auf 2500 Metern. Die Luft ist sehr dünn. Vielen macht das zu schaffen. Die Stadt ist eine Mischung aus Großstadt und Dorf. Neben Hochhäusern liegen Slums. Der Straßenverkehr ist hektisch und durcheinander. Überall in den Straßen herrscht Stimmengewirr und geschäftiges Treiben. Und immer wieder gibt es neue Eindrücke. Addis Ababa ist sehr dreckig. Die Menschen leben in und von Abfällen. Leben in Wellblechhütten oder am Straßenrand in Hütten aus Stein und Folien. Überall gibt es bettelnde Straßenkinder. Aber dazwischen immer wieder Offenheit und Freundlichkeit. Die Luft ist schlecht. Morgens und an manchen Tagen kann man förmlich in den Smog greifen. Im Straßenverkehr gibt es fast nur alte Ladas. Die Linienbusse sind immer hoffnungslos überfüllt und in ihrer Qualmwolke sieht man gar nichts mehr.

Aber die Stadt fasziniert einfach. Wie die Menschen ihr Leben organisiert haben und ihren Alltag leben ist unbeschreiblich. Sie sind mit ihrem Business beschäftigt und kümmern sich auch um die Optik. Malen die wenigen Wände bunt an und pflanzen Blumen vor ihren Bretterverschlag. Sie finden Zeit für Gemeinsames und zum Lachen. Und ich finde es faszinierend, welche Kraft die Äthiopier aus dem Glauben ziehen.

Im Süden

Wir haben uns dafür entschieden, den Süden des Landes zu erkunden. Zwar liegen viele historische Stätten im Norden, die politische Lage im Grenzgebiet zwischen Eritrea und Äthiopien rät uns aber zu anderem. Unsere Reise beginnt einfach. Wir fahren an den Langano. Ein See südlich von Addis und der einzige See in Äthiopien, in dem man baden kann. Möglich macht das der hohe Soda-Gehalt. Die Hotels am See sind ungewöhnlich teuer, es ist eine Art Club Med. Wir treffen einen schwedischen Missionar wieder. Er ist mit seiner Familie für das Wochenende hierher gekommen. Gemeinsam mit unserem Guide verbringen wir den Abend vor einem Feuer am Langano. Ein entspannter Auftakt.
Unsere Reise wird uns durch Teile des großen Grabenbruchs nach Süden bringen. Der Bruch durchzieht Afrika auf 6000 km vom Roten Meer bis nach Mosambik. Als Folge von Kontinentalbewegungen haben sich gewaltige Tiefebenen gebildet. Auf unserer Strecke liegen sie rund 1500 Metern über dem Meeresspiegel.
Der nächste Tag bringt uns in den Abiyata Nationalpark. Hier können wir zum ersten Mal die Schönheit der äthiopischen Landschaft erleben. Eigentlich sieht alles sehr romantisch aus. Die Seen liegen vor uns. Kuhherden weiden, Menschen waschen ihre Kleidung. Es fällt schwer dahinter zu blicken, zu verstehen, wie es den Bewohnern wirklich geht.
Im Park finden wir Flamingos und Strausse. Kochend heiß kommt an mehreren Stellen Wasser aus der Erde. Wir fahren weiter nach Awasa.

Außerhalb von Addis fallen uns erstmals die typischen, traditionellen Häuser auf. Sie sind rund und mit Stroh bedeckt. Je nach Region und Tradition unterscheiden sie sich. Manche haben Wände aus Lehm. In Dorze werden wir später Häuser sehen, die bei einem Umzug komplett versetzt werden.

Auch in Awasa gibt es einen See. Wegen der Entfernung und den schon etwas schwierigeren Straßenbedingungen ist er aber nicht so oft besucht wie noch der Langano. In Awasa sind Pferdekutschen das Hauptfortbewegungsmittel. Mit dem Jeep kommt man da fast nicht mehr durch.
Auf dem Weg waren wir in Shashemene. Haile Selassie hat hier ein Grundstück an Rastafaris, die in den siebziger Jahren aus Jamaica auswanderten, verschenkt. Sie leben heute noch als geschlossene Gemeinschaft in der Stadt. Einige sieht man immer wieder im Straßenbild. Zu Haile Selassies Geburtstag am 23. Juli kommen immer noch Rastas aus der ganzen Welt nach Äthiopien.



Auf dem Weg nach Arba Minch treffen wir Marieke und Paul. Sie sind auf dem Weg nach Kapstadt. Bis nach Jinka wollen wir gemeinsam fahren. Die Isolation, die sich die Weissen in ihren Hotels selber auferlegen, kann schon etwas stören. So auch in Arba Minch. Von der Stadt haben wir fast nichts gesehen. Das sollte sich dann aber auf dem Rückweg ändern.

In Arba Minch hört die Asphaltstraße auf. Kurz danach haben Marieke und Paul eine Reifenpanne. Sie sind sich unsicher und kehren um. Die folgenden 250 km Staub und Schotterpiste haben viel verlangt. Wir sind aber von Pannen verschont geblieben. Die Landschaft fasziniert uns immer mehr. Äthiopien ist ein unglaublich schönes Land. Endlose Landschaft in grünen und ockerfarbenen Pastelltönen und Berge und Täler soweit man blicken kann. Nach mehreren Stunden erreichen wir die Region Konso. Die Feldbauern des gleichnamigen Volkes haben eine Terrassenkultur entwickelt. So schützen sie den Boden vor Erosion und ermöglichen die Speicherung von Regenwasser. Grundvoraussetzungen für nachhaltige landwirtschaftliche Nutzung. Zum ersten Mal begegnen uns Mitglieder ursprünglicher Volksgruppen. Es ist schon etwas komisch, plötzlich einen bunt bekleideten und mit einem Speer und Gewehr bewaffneten Menschen zu sehen. Aber ein Lächeln baut viele Grenzen ab.
Im südlichen Ausläufer des Grabenbruchs haben wir die höchste Temperatur erlebt. Mit 120 km/h durch über 40 Grad Hitze zu fahren ist schon ein Erlebnis. Schließlich kommen wir in Jinka an. Es scheint so ein bißchen das Ende der Welt zu sein. Es ist aber auch eine lebhafte Oase in der Region.

Reisebericht 4:

Neue Werte: Fotos und Rasierklingen.

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