Äthiopien


Unsere Reise hat uns von der Hauptstadt Addis Ababa bis tief in den Süden geführt.
Wir haben Menschen und ihr Schicksal kennengelernt.
Wir haben Kultur und Tradition erlebt. Wir haben äthiopische Vielfalt entdeckt.

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Schulausbildung ist Luxus

Addis Ababa

Ich habe viele Gedanken im Gepäck. Über das, was mich erwartet, über das was ich über Äthiopien weiß. Aber ich will mich bemühen all dies hinter mir zu lassen. Mich auf den Alltag zu konzentrieren. Mit dem umzugehen, was da kommt. Mich auf die Äthiopier und ihre Lebensart einzulassen. Ohne Meinung auf sie zuzugehen. Sie und ihr Leben zu verstehen. Ein Gefühl für Afrika zu bekommen.

Addis Ababa heißt "Neue Blume" und meine ersten Eindrücke bestanden aus Addis by night. Viel zu sehen gab es noch nicht. Die Stadt ist sehr dunkel. Alleine das Sheraton leuchtet mitten im Zentrum. Wir wohnen in der Schwedischen Mission. Sie ist "Klein-Europa". Zusammen mit einer Schule und einer Kirche teilt sie sich das Gelände. Hier leben Missionare, Angestellte, Lehrer und Gäste aus Europa. Meistens sind es Schweden. Sie sind von der Kirche oder ursprünglich Äthiopier. Viele äthiopische Kinder werden nach Schweden adoptiert. So kommt es, dass ich in Äthiopien mehr Schweden kennenlerne als während meines Jahres in Stockholm.

Meine erste afrikanische Nacht war von einem Sternenhimmel wie ich ihn vorher nur selten gesehen habe und endlosem Hundegebell geprägt. Mein erstes Erwachen von dem Männerchor in der Kirche auf dem Gelände. Beim Verlassen der Mission holt mich die Realität ein. Überall wird man angebettelt und die Armut ist teilweise erschreckend. Wenn man durch die Straßen fährt, sieht man aber immer wieder faszinierende und spannende Dinge. Addis hat sehr viele Gesichter. Die Menschen machen sehr viel aus dem Wenigen, das sie haben. Wenig aus unserer Sicht. Ändert man den Blickwinkel, haben die Äthiopier sehr viel Kultur und Vielseitigkeit. Jeder macht sein Ding. Hat einen kleinen Kiosk oder verkauft Kaugummis aus einem Pappkarton. Vielleicht schon eine ganze Menge.

Kulturschock

Mein erster Tag in der Stadt war der erwartete Kulturschock. Äthiopien ist nicht nur ein anderes Land. Es ist eine andere Welt. Die Ordnung ist völlig verschieden. In Europa gehen wir rechts und stellen uns in Schlangen. Diese Menschen nehmen ihr Leben selber in die Hand. Aber auch wenn man als Weißer die Attraktion ist, wird man mit großem Respekt behandelt. Und nachdem ich etwas verstanden habe, wie der Alltag, die Stadt und der Umgang funktionieren, komme ich auch sehr gut zurecht. Die Menschen werden umgänglich. Letztendlich sind alle sehr offen und ehrlich und vor allem freundlich. Man muß nur lernen sie zu verstehen und wie sie leben.
Als Mittelpunkt des Interesses zieht man viele Menschen an und wird Ziel vieler Fragen und Angebote. Und am Ende ist man über die Offenheit und den Respekt der Menschen beeindruckt. Aber immer wieder kommt die Angst vor dem Unbekannten hervor und man reagiert abstoßend - unberechtigt.

Wir besuchen die Schule auf dem Gelände unserer Unterkunft. Der Zugang zur Schule ist in Äthiopien Luxus. Schulbücher und Schuluniform kann sich kaum einer leisten. Familienplanung und Verhütung sind meistens noch Fremdwörter. Eine Familie hat durchschnittlich 8 Kinder, die sind Einkommensquelle und Altersvorsorge. Grund genug für viele Kinder von zu Hause zu fliehen. Wir haben Gizachew Ayka kennengelernt. Er hat mit ein paar Freunden beschlossen etwas für die Straßenkinder zu tun. Sie haben die regierungsunabhängige Organisation "Win Souls for God" (WSG) gegründet. Ihr umfangreiches Programm hat vor allem ein Ziel: Die Straßenkinder sollen lernen, ihr Leben wieder in die eigenen Hände zu nehmen.
Gizachew und seine Freunde sprechen mit den Kindern auf der Straße. Geben ihnen, was sie dringend benötigen: Kleidung, Essen und ein persönliches Gespräch. Kinder, die vom Land gekommen sind oder ihr zu Hause verlassen haben, sollen in ihre Familien reintegriert werden. In 4 Beratungszentren haben sie täglich Kontakt zu rund 100 Straßenkinder. Wer will, bekommt einen Schulbesuch finanziert. In drei Unterrichtszentren werden Religion und Soziale Themen unterrichtet. Und sie arbeiten in einem Vorbeugungs-Programm. WSG hat erkannt, dass das Problem nicht nur in der Gegenwart liegt. Sie wollen vor allem denen helfen, die kurz davor sind ein Straßenkind zu werden.
Win Souls for God unterhält 4 Unterkunftshäuser. Verlassen die Kinder die Straße und entscheiden sich zur Schule zu gehen und ihren Lebensunterhalt zu verdienen, können sie in einer der Unterkünfte kostenlos wohnen. Wir sind erstaunt, wie groß der Unterschied zwischen arm und reich sein kann, nur weil sich der eine kein Schulbuch leisten kann.

Reisebericht 3:

Die erste Mahlzeit, die Reise in den Süden und im "Club Med von Äthiopien"

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